Hodenkrebs

Ich habe mich dazu entschieden eine Seite über den Hodenkrebs zu machen weil ich durch meine Erkrankung feststellen musste das es ein großes Informationsdefizit unter den Männern in meinem Bekanten- und Freundeskreis gibt. Man hört zwar immer von Krebsvorsorge ab dem vierzigsten Lebensjahr, aber ab da ist das Risiko an Hodenkrebs zu erkranken fast nicht mehr relevant. Hauptsächlich betrifft es junge Männer im Alter zwischen 20 bis 40 Jahren. Ich habe und werde auch nicht damit anfangen diese Krankheit zu verschweigen, da ich hoffe das sich der Eine oder Andere mal Gedanken darüber macht und sich einwenig darüber informiert.

 

Ich hatte 1989 das Pech das ich wegen einer anderen Geschichte im BWK Hamburg lag. Wegen einer Routineuntersuchung musste ich auf die Urologische Station, wo ich dann das Glück hatte das ein junger Arzt mir eine halbe Stunde einen Vortrag über Hodenkrebs hielt, und mir erklärte wie ich durch Abtasten selber feststellen kann ob alles in Ordnung ist oder nicht. Ich habe das die ganze Zeit bis zu Erkrankung in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen getan, mindestens 1x im Monat, und daher weiß ich das 5 Tage bevor ich den Tumor bemerkte nichts da war oder zumindest so klein das ich nichts spürte.

 

Für meine Familie war die Diagnose Hodenkrebs natürlich erstmal ein riesen Schock. Es war für alle eine harte Zeit und erst nach und nach wo alle sahen das es mir trotz der Chemo gut ging kam die Zuversicht das alles ein gutes Ende nehmen wird. Wir haben die Kinder nie im Unklaren gelassen was mit ihrem Papa gemacht wird, damit andere Leute nicht in der Lage waren, durch Schauergeschichten und Halbwahrheiten ihnen Angst zu machen. Wir haben die Chemo nie als etwas negatives angesehen sondern als etwas positives was mir ein Weiterleben ermöglicht. Ich glaube das eine positive Einstellung es Leichter macht das alles zu ertragen, mir ging es während der ganzen Zeit nie wirklich schlecht, Ich konnte essen habe mich viel bewegt und immer den Kontakt zu anderen Patienten gesucht. So ging die Zeit schnell um und man hat viele Leute kennen gelernt und nicht nur über den Krebs nachgedacht oder gesprochen.

Steck den Kopf nicht in den Sand, er könnte sonst stecken bleiben!

 

Ich habe es bewusst vermieden hier auf Therapiemethoden oder Medikamente hinzuweisen, da das von Fall zu Fall unterschiedlich ist, ich meine es ist hier wichtiger darauf hinzuweisen je eher ihr etwas merkt und zum Doc geht je besser und schneller verläuft die Heilung. Ich habe im BWK Patienten kennen gelernt die zu lange gewartet haben und dadurch einiges mehr durchmachen mußten als ich. 

Man darf nicht außer Acht lassen, das Hodenkrebs wenn er nicht behandelt wird tödlich endet!

Mein Krebstagebuch

08.07.2006      Abends nach dem Duschen abgetastet, Nichts gefunden.

14.07               Durch Zufall bei Jucken habe ich gemerkt das da eine Verhärtung am linken Hoden war.

18.07               Nach Gespräch mit meiner Frau bin ich Morgens zum Hausarzt, der schickte mich sofort zum Urologen, nach gründlicher 

                        Untersuchung überwies der mich noch am gleichen Tag ins Bundeswehrkrankenhaus nach Hamburg/Wandsbeck- 

                        Gartenstadt. Dort wurde nach kurzer Untersuchung festgestellt das ich einen Tumor habe.

26.07-31.7     Aufenthalt im BWK zu Entfernung des linken Hodens und Entnahme einer Gewebeprobe des rechten Hodens.

                        In den folgenden Tagen wurden regelmäßig Blutkontrollen durchgeführt und eine CT Untersuchung gemacht, leider kann man bei

                        der CT nur Metastasen finden die größer als 1mm sind, daher sind die Blutkontrollen zur Bestimmung der Tumor-

                        Marker sehr wichtig.

28.07             Nachuntersuchung der OP und Therapiebesprechung im BWK. Ich hatte einen Bösartigen Tumor( Nichtseminom) der

                      dummerweise im Lymphsystem der Hodens bereist gestreut hat. Wir entschieden uns zu einer Chemotherapie mit 2 

                      Kursen, da eine Bauchoperation aufgrund meines Übergewichts ein zu großes Risiko beinhaltete

08.08.          Der erste Kurs beginnt mit einer Vorsorgeuntersuchung damit ich die Chemo auch verkrafte.

                      - Zahnarzt

                      -HNO Arzt und ein umfangreicher Hörtest

                      -Lungenfunktionstest

                      -EKG

                      -Nierenfunktionstest

                      am Ende bekommt man noch einen ZVK ( zentraler Venenkatheter ) verpasst über den in den folgenden Tagen die

                      Chemo in den Körper fließt. Dies geschied unter eine örtlichen Betäubung

09.08-13.08 Begin der Chemotherapie. Jeden Morgen um 9:00 Uhr wurde ich an einen Tropf bestehend aus bis zu 4 Flaschen

                      gehängt, wobei die eigentliche Chemo nur morgens um 9:00 Uhr und mittags um 14:00 Uhr für ca 1 Stunde verabreicht

                      wurde. Die restliche Zeit hingen nur 3 Flaschen mit diversen Begleitmitteln an dem Ständer. Je nach dem persönlichen

                      Verhalten (wenn man viel läuft, steht fließen die Infusionen langsamer) über den Tag, wurden die Flaschen so zwischen

                      23:00 Uhr und 01:00Uhr entfernt, so das man ohne Schläuche die Nacht verbringen kann.

14.08            Spühltag, an diesem Tag bekommt man nur noch die Begleitlösungen in den Körper um alles richtig durchzuspülen,

                      das war auch das erste mal das mir richtig Übel wurde, weil das Mittel gegen die Übelkeit nicht mehr dabei war. Aber

             nachdem ich von deiner Pflegerin eine Lutschtablette bekam war es schnell mit der Übelkeit vorbei.

15.08            Ruhetag, an diesem Tag passiert gar nichts man kann tun und lassen was man will, nur nicht das Krankenhaus verlassen.

                      Ich habe den Tag damit verbracht das ich viel über das Gelände spaziert bin um meinen Kreislauf ein wenig in Schwung

                      zu bringen, auch wenn ich die Chemo- gut vertrage so leidet die Kondition doch recht stark.

16.08           Tag der Entlassung, heute bekam ich noch eine Kurzchemo verpasst. das sind 3 Kleine Flaschen 100ml Vorspühlung, 

                     Chemo- und eine Nachspülung.

23.08           An diesem Tag musste ich noch mal für eine Kurzchemo antanzen, war aber bis Mittag schon wieder Zuhause.

29.08           Der 2te Kurs beginnt wieder mit eine kleinen Vorsorge, diesmal ohne Zahnarzt und ohne Nierentest.

30.08-03.09 Nun beginnt die Zweite Chemo- nach dem gleichen Schema wie schon beim erste Kurs

04.09            Spühltag

05.09            Ruhetag

06.09            Kurzchemo und Entlassung

13.09            Kurzchemo  

14.11            erste Nachsorge, Blutuntersuchung - alles in Ordnung

28.11            Urologische Untersuchung - alles in Ordnung

23.02.2007 zweite Nachsorge, Blut und CT alles ohne Befund

24.05            dritte Nachsorge, Blut Ultraschall alles bestens

 01.01.2013  Ich habe mit dem Tagebuch aufgehört da es keinen Sinn macht immer das gleiche zu schreiben, mir geht es gut der Krebs ist weg!!!

Über den Gesamten Zeitraum der Chemo wurde jeden 2ten Tag eine Blutabnahme durchgeführt um Festzustellen in welchem Zustand sich das Immunsystem befindet

 

 

Bundeswehrkrankenhaus Hamburg     

Warum ins BWK-Hamburg?                                                        

Diese Frage stellte ich meine Urologen in Stade auch, und seine sehr Energische Antwort war "das sind die Besten und sie haben nur 2 Hoden und wenn schon einer flöten geht dann wollen sie wohl für den letzten auch nur das Beste". Also stellte ich mich im BWK vor und musste bemerken das sich hier einiges verändert hat, heute behandeln sie sowohl Soldaten wie auch Zivilisten gleichermaßen.

Während der ganzen Zeit fühlte ich mich hier sehr wohl und gut aufgehoben. Das Pflegepersonal ist sehr nett und hilft wo es nur geht. Es hat es einem leicht gemacht nicht ständig daran zu denken wieso man hier ist, es wird immer mal wieder ein Scherz gemacht, ich habe hier viel gelacht. Die Ärzte haben trotz mancher Hektik immer ein offenes Ohr wenn man mal ne Frage hat, man spürt hier auch die Erfahrung, die Antworten sind klar und deutlich und auch für einen Laien verständlich. Bei Hodentumoren liegt die Heilungschance im BWK- Hamburg bei 98 % und damit in Deutschland und Europa an der Spitze.  

 

Im besonderen möchte ich die Frau Büttner erwähnen, sie nimmt hier  die Psychologische Betreuung der Hodenkrebspatienten war, und sie macht einen  richtig guten Job. Am ersten Tag wurde ich sofort von ihr angesprochen  und war etwas verwundert, "was kommt den jetzt noch", aber im laufe der Zeit  habe ich sie sehr schätzen gelernt. Sie nimmt sich immer Zeit zu einem Gespräch verfügt  über ein hohes  Fachwissen über die Therapie. Auch für die Angehörigen  nimmt  sie sich immer die Zeit für ein nettes aufklärendes Gespräch. Sie hat seit 1988 ca 1700 Patienten erlebt und betreut. Jeden  Mittwoch gibt sie einen kleinen Stammtisch wo auch geheilte Patienten dabei sind, und es tut gut auch von ihnen  zu erfahren wie es ihnen ergangen ist. denn seien wir ehrlich, die Ärzte können uns Gesund machen aber erlebt haben sie es am  eigenen Leib noch nicht, was ich  ihnen auch nicht Wünsche!

 

Auf der Station hängen viele Bilder und Karten die im Namen der Kinder geschrieben worden, die nach einer erfolgreichen Hodenkrebsbehandlung ihrer Väter gezeugt und geboren wurden. Wenn man sich die Briefe durchließt spürt man die Freude und Dankbarkeit das alles so gut verlaufen ist und es ein normales Leben nach den Krebs gibt.

 

 

 

 

 

 

 

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